Selbstmontage PV-Anlage - Tips & Hinweise
Die Photovoltaikanlage in Eigenregie. Tips und Hinweise
(sämtliche Arbeiten sind grundsätzlich durch eine Fachkraft auszuführen gem- anerkanntem technischem Regelwerk)
 

Vorbereitung:
  • Ist das Dach für Solarstrom geeignet?
    • Ausrichtung: Optimal Süd. Ost- und West ebenfalls in Ordnung. Norddach allenfalls mit flacher Neigung
  • Dachgrösse und Grösse der Anlage:
    • Ausreichend Platz auf dem Dach oder eher kleines Stadthaus?
      Solarmodule sind inzwischen sehr kostengünstig. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert eine möglichst grosse Solarstromanlage zu installieren. Kosten für Elektriker, Anmeldung etc. sind weitestgehend fix. Somit steigt die Wirtschaftlichkeit mit der Grösse der Anlage. Zudem sind grössere Wechselrichter auf die Leistung bezogen günstiger.

      Allenfalls kann die 10kWp Grenze eine Rolle spielen. Unter 10kWp installierter Leistung (bzw. 10.000kWh Einspeisung) muss nur 1 Einspeisezähler installiert werden und es wird keine EEG Umlage auf den Eigenverbauch enrichtet (Stand Okt 2019). Bei Anlagen grösser10kWp ist hingegen ein zweiter Zähler notwendig (Erzeugungszähler) und es muss ein Teil der EEG Umlage auf den Eigenverbrauch entrichtet werden (entfällt ggf. in Zukunft).

      Für kleinere Dächer sind daher Module mit höhere Leistungsdichte eher sinnvoll. Hierbei handelt es sich um monokristalline Module. 
  • Optik:
    Für dunkle Dachflächen sehen komplett schwarze Module sehr ansprechend aus (schwarze monokristalline Zellen, schwarzes Backsheet, schwarzer Rahmen, schwarze Modulklemmen)

  • Steuerung der Anlage:

    • Entweder muss die Anlage durch den Netzbetreiber ferngesteuert werden. D.h. der Netzbetreiber installiert einen Rundsteuerempfänger der bei Netzüberlastung die PV Anlage herunter regelt bzw. abschaltet.

      Für Anlagen bis zu einer Grösse bis 30kWp kann in Deutschland aber auch die sog. 70% Regelung gewählt werden. Hier kann auf den (teuren) Rundsteuerempfänger verzichtet werden. Im Gegenzug muss der Wechselrichter auf 70% der Nennleistung des Modulfeldes hart begrenzt werden (statische 70% Regelung).

      Alterantiv dazu kann auch durch den Kunden ein Steuergerät installiert (z.B. im Falle von SMA den Sunny Home Manager). Dieser stellt sicher - wenn genug Eigenverbrauch im Hause vorhanden ist - dass die Anlage mit voller Leistung weiterlaufen kann ohne Drosselung. Die feste Begrenzung des Wechselrichters auf 70% entfällt dann (dynamische 70% Regelung).

  • Teilverschattugnen auf dem Dach?
    • Je nach Verschattungsgrad muss dieser Teil vom Dach entweder frei bleiben. Oder es können für die teilverschatteten Module oder auch sämtliche Module Leistungsoptimierer verbaut werden. Z.B. SolarEdge oder Tigo.

  • Ist Ihr Wandverteiler "Zählerkasten" auf dem aktuellen Stand?
    • U.U. muss dieser erneuert werden, da ansonsten der Netzbetreiber die Zulassung der PV Anlage verweigern könnte

  • Zielsetzung?
    • Hohe Wirtschaftlichkeit steht im Vordergrund? Das wäre eine PV Anlage ohne Speicher. 
    • Autarkie wichtig? PV Anlage mit Speicher

  • Wo kann der Wechselrichter installiert werden?
    • Der Raum sollte möglichst kühl sein. Dachboden ist deshalb eher ungeeignet
    • Er sollte auch nicht an der angrenzenden Wand von Bspw. Schlafzimmer installiert werden, da die Einschalt- und Laufgeräusche ggf. stören würden

    Auswahl der Komponenten:
  • PV Module. Diese lassen sich grob in folgenden Klassen unterteilen (es handelt sich hierbei um unsere eigene Einschätzung / Erfahrung und stellt lediglich Beispiele dar):

    • Standardmodule - Eigenschaften: Kostengünstig, dennoch zuverlässig (sofern vom Hersteller mit entsprechender Erfahrung und Grösse). Oft polykristallin unter 300Wp Leistung (Stand Okt 2019). Durch die neueren PERC Zellen sind aber inzwischen auch monokristalline Module mit über 300Wp Lesitung bereits recht kostengünstig.

      Zu den zuverlässigen Herstellern von Standardmodulen gehören z.B. Jinko, JA Solar, AxiTech, Luxor, Canadian

    • Premiummodule - Eigenschaften: Etwas teurer als Standardmodule, im Detail oftmals etwas besser verarbeitet wie bsp. der Modulrahmen. Oder auch bessere Garantiebedingungen. Hierzu gehören z.B. Q.Cells, REC, Heckert, AUO (BenQ)

    • Luxusklasse: Diese Module zeichnen sich typischerweise durch eine sehr hohe Leistungsdichte aus und Verarbeitungsqualität im Detail. Hierzu gehört z.B. LG oder Panasonic HIT

  • Wechselrichter:

    • Bekannte und bewährte Marken für Stringwechselrichter sind z.B. SMA, Kostal, Fronius, Huawei, SolarEdge und weitere

    • Grösse des Wechselrichters: 
      Der Wechselrichter kann in Deutschland durchaus etwas geringere Leistung als die Nennleistung des Modulfeldes haben. Z.B. 90% oder auch darunter. Im Falle der harten 70% Regelung muss der Wechselrichter sowieso auf 70% der Nennleistung des Modulfeldes begrenzt werden.

      Bei Belegung eine Ost + Westdach ist kaum mehr als 70% der Nennleistung zu erwarten. 

  • Batteriespeicher:

    • Sofern Sie einen Batteriespeicher installieren möchten, bietet aus unserer Sicht die derzeit beste Lösung Kostal zusammen mit BYD an. 
      Vorteile: Kostengünstig. Wenig Wandlungsverluste da die Speicherung auf der DC Seite erfolgt. Sicherheit: BYD verwendet Lithium Phosphat Zellen die thermisch kaum noch durchegehen können (im Gegensatz zu klassischen Lithiumzellen)

  • Montagegestell:

    • Ziegel- oder Pfannendach:
      Hier benötigen Sie ein Montagesystem mit Dachhaken

    • Welldach wie Ethernit (sofern ohne Asbest, ansonsten muss es saniert werden), teilweise Sandwichdächer 
      Hier arbeitet man mit Stockschrauben

    • Trapezblech:
      Hierfür sind die Trapezblechbrücken eine sehr solide und wirtschaftliche Lösung

  • Was Sie sonst noch benötigen:

    • Solarkabel
      Bis ca. 30m einfache Stringlänge reicht für Standardmodule im Allgemeinen eine 4mm² Leitung, darüber hinaus 6mm² (sofern keine Strings parallel geschaltet werden). Natürlich muss der Querschnitt für jede Anlage noch einmal individuell verifiziert werden.
       
    • Potenzialausgleich: Erdung des Montagegestells (Module selber müssen nicht geerdet werden). Min 6mm², besser 10mm² oder 16mm². Starrer Leiter NYY.

    • Leerrohre: Solarkabel sind im ungeschützten Bereich trotz UV Beständigkeit in Leerrohren zu führen. Die Leerrohre müssen UV beständig sein

    • Wechselstromkomponenten:
      Z.B. Leitung, Sicherungsautomat, FI, Überspannungsschutz. Auswahl erfolgt durch den Elektriker. 

    Installation:
    • Für die Ermittlung der benötigten Fläche ist stets 2 cm Abstand für Klemme und auch vertikal zwischen den Modulen zu berücksichtigen
    • Es sollte immer jeder Dachsparren mit einem Dachhaken belegt werden
    • Ziegel sind mit Winkelschleifer auszuklinken damit der Haken nicht auf den Ziegel drückt
    • Typische Länge der Tellerkopfschrauben 80mm oder 100mm (Einschraubtiefe sollte 60mm in den Sparren sein)
    • Überspannweite für 40x40mm Aluprofile sollte bei Schneelastzone 2 nicht grösser als 120 cm sein (wenngleich formell auch mehr möglich wäre)
    • Kragarm am Ende des Profils sollte nicht mehr als ca. 35cm sein
    • Die Profile sind so zu setzen, dass zulässige Klemmpunkte an den Modulen eingehalten werden. Idealer Klemmbereich bei 60 Zeller Modulen ist typisch zwischen 2. und 3. Zelle (bei 120 Zellern entsprechend ca. 5. Zelle). Details sind der Installationsanleitung des Modulherstellers zu entnehmen
    • Stockschrauben: Adapterblech muss immer zum First hin zeigen. Vorbohren in den Sparren mit 0,7 x Durchmesser der Stockschraube
    • Solarkabel in Leerrohre im ungeschützten Bereich. Kantenschutz. Min Biegeradius beachten

    Inbetriebnahme und Anmeldung:
    • Messung und Dokumentation Gleichstromseite: Leerlaufspannung, Kurzschlusstrom, Isolationswiderstand für jeden String
    • Messung Wechselstromseite gem. VDE
    • Unterlagen wie VDE Zertifikate, Anlagenskizze, Stromlaufplan, Anlagengrösse durch Elektriker an den Netzbetreiber mit Inbetriebnahmedatum einreichen
    • Meldung der Anlage auf dem Marktstammdatenregister durch Anlagenbetreiber
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